Ausübung der erlaubnisfreien Heilkunde

Frage:

Mich würde interessieren wie denn im Moment die rechtliche Lage des Berufsbildes so liegt und was man so tut mit den Abschlüssen? Ich freu mich auf Antwort, wenn ihr grad mal Zeit habt. Liebe Grüße und sonnige, lichtvolle Tage wünscht Sibylle

Antwort:

Liebe Sybille, die rechtliche Situation hat sich noch nicht wesentlich verändert. Wir bilden in Berufen aus, die sich in Einklang mit der momentanen Rechtsprechung befindet. Lass mich zuerst die drei Berufsbilder kurz unterscheiden.

Gesundheitsberater arbeiten mit vorwiegend körperlichen Methoden zur Verbesserung der Gesundheit für die Menschen, die zu ihnen kommen.

Massagepraktiker arbeiten mit mehreren Massage Methoden, energetischen Techniken, emotionalen Techniken (z.B. der Dorn-Rückgrad-Behandlungen) zur Verbesserung der Gesundheit für die Menschen, die zu ihnen kommen.

Massagetherapeuten sind wie der Begriff Therapeut andeutet, speziell in den medizinischen Zusammenhängen ausgebildet und haben sich so für ihre Arbeit weiterqualifiziert.

Was wir tun

Es gibt eine erlaubnisfreie Ausübung der Heilkunde, ohne Gefährdung des einzelnen Menschen, der zu uns kommt. Wie schon das Geistheilerurteil von 2003 festgestellt hat und in Übereinstimmung, mit vielen anderen Gerichtsurteilen der letzten Jahrzehnte untersagt das Heilpraktiker Gesetz nicht vollständig die Ausübung der Heilkunde, sondern regelt die Ausübung der Heilkunst so, um die Gesundheit der Bürger in Deutschland vor Gefährdungen zu schützen. Wenn aber keine Gefährdung der Bürger insgesamt oder des einzelnen Hilfesuchenden vorliegt, dann liegt auch kein Verstoß gegen das Heilpraktiker Gesetz vor, wie es in dem Urteil des OVG Lüneburg in der Entscheidung (Akz. 8 LC 185/04) vom 20.07.2006 festgehalten ist. „Eine Heilmethode ist dann eine erlaubnisfreie Tätigkeit im Sinne des § 1 Abs. 1 Heilpraktiker Gesetzes wenn es keine schwerwiegenden Bedenken gibt, die auf eine unmittelbare Gefährlichkeit der ausgeübten Heilhilfstätigkeit schließen lässt. Die Richter hielten das eingeholte Gutachten für ausreichend um den Nachweis der Ungefährlichkeit für die Bevölkerung als geführt anzusehen. …“ Das Bundesverfassungsgericht und andere Gerichte hatten zuvor festgehalten, dass eine Aufklärung des Klienten hinsichtlich des Erfordernisses der Durchführung bzw. Aufnahme von medizinischen Behandlungen ausreichend ist, um eine Erlaubnisfreiheit nach sich zu ziehen. So eine Patienten-Erklärung wird grundsätzlich von unseren Mitgliedern vor Beginn einer Behandlung den Klienten vorgelegt und von den Klienten unterschrieben. (1 BvR 784/03 vom 2.3.2004, sogenanntes Geistheilerurteil und auch LG Verden, MedR 1998, S. 183 mit Anmerkung Taupitz) Seit dem Sommer 2012 haben wir eine gegenseitige Verpflichtung daraus gemacht und es gibt ein neues Erklärungsformblatt auf dem beide, Patient und Behandler unterschrieben. In anderen Urteilen hat die Rechtsprechung zudem in diesem Zusammenhang bereits entschieden, dass z.B. für die Durchführung von Wellnessmassagen keine Genehmigung nach dem Heilpraktiker Gesetz erforderlich ist. Als Begründung wird angeführt, dass bei einer Massage durch Streichbewegungen verspannte Muskelgruppen gelockert werden. Das Wohlbefinden des Klienten wird damit erhöht, eine Einwirkung auf innere Organe würde hierbei nicht erfolgen. (z.B.: Das Landgericht Kiel (AZ 15 O 100/08) und das Oberlandesgericht Schleswig (AZ 6 W 52/08),

Arbeiten im Erstkontakt

Seit dem August 2009 ist durch das Urteil des Bundesverwaltungsgericht Ansbach generell die Ausübung der umfassenden Heilkunde, die eine zu vorige Diagnose benötigt, den Ärzten und Heilpraktikern vorbehalten. Alle anderen, vormals „medizinische Fachberufe“ wurden wieder eingestuft in den Rang von Heilhilfsberufen, der auf die Formulierungen von Mitte des letzten Jahrhunderts zurück geht. Durch diesen Begriff wird zum Ausdruck gebracht, dass diese medizinischen oder Gesundheitsberufe nur auf Anweisung eines Arztes oder Heilpraktikers arbeiten dürfen. Diese Anweisung kann persönlich erfolgen oder in Form einer Verordnung oder eines Rezeptes. Der Erstkontakt zu kranken Menschen verbleibt also grundsätzlich bei Ärzten und Heilpraktikern. Unter bestimmten Voraussetzungen können Gesundheitsberater, Massagepraktiker und Massagetherapeuten auch im Erstkontakt mit Patienten arbeiten. Erstkontakt heißt, ein Mensch mit Problemen, manchmal auch Patient genannt, kommt zuerst zu uns, es geht keine Untersuchung und Diagnosestellung durch einen Arzt oder Heilpraktiker voraus. Wir empfehlen den Menschen aber trotzdem den Weg zum Arzt oder Heilpraktiker zur Abklärung ihrer Beschwerden. Hier hat es sich als sinnvoll erwiesen, in einem Netzwerk von alternativen Therapeuten zu arbeiten, Ärzten und Heilpraktikern, die sich dem ganzheitlichen medizinischen Weg zu gewandt haben. In solch einem Netzwerk ist eine kollegiale Zusammenarbeit möglich und so kann es zu einer einem Behandlungsweg in unserem Sinne kommen und wir bleiben in die Weiterbehandlung mit ein bezogen.

Weiterbehandlung

Dies ist eigentlich der normale Fall in unserer Arbeit. Menschen waren wegen ihrer Erkrankung bereits beim Arzt oder Heilpraktiker und kommen jetzt zur Weiterbehandlung zu uns. Maßgeblich sehen wir hier die Definition des medizinischen Dienstes der Krankenkassen. Zur Prävention, speziell zur sekundär und tertiär Prävention.

Primärprävention

sind alle Maßnahmen und Verhaltensweisen verstanden, die geeignet sind, eine Krankheit zu verhindern bzw. ihre Entstehung zu verlangsamen.

Sekundärprävention

kommt zum Zuge, wenn eine Krankheit bereits Symptome verursacht. Sie soll eine Verschlimmerung oder ein Wiederauftreten verhindern und der Chronifizierung entgegentreten.

Tertiärprävention

soll, wenn es bereits zu Behinderungen gekommen ist, das Ausmaß der Behinderung und den Umgang mit ihr günstig beeinflussen. (http://www.mdk.de/885.htm) DORN-Gesundheitsberater, DORN-Massagepraktiker und DORN-Massagetherapeuten arbeiten im Rahmen der primär und sekundär Prophylaxe und von DORN-Massagetherapeuten auch zur tertiären Prophylaxe. Auf jeden Fall nachdem ein Arzt oder Heilpraktiker die Untersuchung vorgenommen hat, die Diagnose gestellt ist, die Heilbehandlung begonnen wurde. Die Arbeit von uns kann nur eine zusätzliche ergänzende Heilbehandlung sein. Es ist möglich diese Arbeit aufgrund einer Verordnung vorzunehmen, aber nicht erforderlich. Unsere Arbeit ist zu vergleichen mit der Tätigkeit von Kursleitern in Präventionskursen und der Tätigkeit von Rehasport-Übungsleitern. (Beide Berufe können übrigens über uns, in Zusammenarbeit mit den zuständigen Sportverbänden, erlernt werden.) Die Ausbildungsvoraussetzungen, –dauer und –inhalte, sowie die Prüfungen entsprechen etwa den Anforderungen der RückGrad-Akademie. Für Primärprävention kann es keine Verordnung geben, da hier ja gar keine Vorerkrankung vor lag. Für sekundär und tertiär Prävention gibt es die Sogenannten Rehasport-Rezepte. Sie sind Verordnungen und garantieren gleichzeitig die Kostenübernahme durch die gesetzlichen Sozialversicherungsträger. Jeder kann aber als Selbstzahler auf eigenen Wunsch an solchen Kursen teilnehmen mit dem Ziel seine Gesundheit wiederherzustellen, einer Wiedererkrankung vorzubeugen und sie langfristig zu erhalten.

Behandlung von Schmerzen und die Bezeichnung „Praxis

Durch Schreiben von Gesundheitsämtern wurde im letzten Jahr unseren Kollegen die Bezeichnung Praxis für ihre Arbeitsräume ermöglicht. Voraussetzung hierfür bleibt aber immer das die Bezeichnung nicht zu einer Verwechselung mit der Praxis von Ärzten, Heilpraktikern, Physiotherapeuten, Masseuren oder anderen Angehörigen medizinischer Hilfeberufe führen darf. Auch die Behandlung von Schmerzen wurde uns ermöglicht, wenn die Schmerzen auf Verspannungen und Blockaden in der Muskulatur zurück zu führen sind. Es ist zu sehen das sich unsere Arbeit langsam etabliert und ihren Platz in dem Bereich der Ausübung eines sogenannten medizinischen Hilfsberufes findet.

Zusammenfassung

Gesundheitsberater und Massagepraktiker und Massagetherapeuten: Die Angehörigen dieser Berufe üben generell die umfassende Heilkunde nicht aus, auch wenn sie mehr oder weniger eigenverantwortlich-selbständig in der Behandlung tätig werden. Sie arbeiten zum Erhalt der Gesundheit, zur Förderung der Gesundheit, zur Wiedererlangung der Gesundheit auf allen Ebenen. Sie üben einen Heilhilfsberuf der Primär- Sekundär- oder Tertiärprohylaxe aus. Sie werden im Rahmen der Sekundär- oder Tertiärprohylaxe auf jeden Fall erst tätig, nachdem ein Arzt oder Heilpraktiker die Untersuchung vorgenommen hat, die Diagnose gestellt ist, die Heilbehandlung begonnen wurde. Die Menschen, die zu ihnen kommen tun es aus eigenem Antrieb um ihre Gesundheit willen. Gesundheit ist aber nur von dem einzelnen Menschen für sich selbst herzustellen und zu erhalten. Somit ist unsere Arbeit ein Baustein zur Hilfe zur Selbsthilfe